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Crytek vs. CIG: Antrag auf Klageabweisung teilweise stattgegeben

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Crytek vs. CIG: Antrag auf Klageabweisung teilweise stattgegeben

Star Citizen-Entwickler Cloud Imperium Games hat im Rechtststreit gegen Crytek offenbar einen großen Erfolg errungen.

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Hinweis: Rechtsprechung ist überall extrem komplex und selbst in deutscher Sprache oft missverständlich oder Interpretationssache. Deshalb kann der folgende Text nur als Überblick dienen. Damit einhergehende Interpretationen sind ausschließlich auf aktuellen Informationen beruhende Meinung des Autors.

Vor gut einem Jahr machte CryEngine-Entwickler Crytek Schlagzeilen, als sie eine Klage gegen die Star Citizen-Macher von Cloud Imperium Games (CIG) einreichten. Neben anderen Klagepunkten vertritt Crytek den Standpunkt, dass CIG verpflichtet sei, die CryEngine zu nutzen und Verbesserungen mit Crytek zu teilen. Außerdem habe CIG mit der StarEngine angeblich eine unerlaubte Konkurrenzsituation zur CryEngine angestrebt. Der spätere Umstieg auf Amazons Lumberyard-Engine sei Vertragsbruch gewesen. Zusätzlich habe CIG keine Lizenz, um zwei Spiele zu entwickeln, wie sie es neben dem MMO Star Citizen mit der Singleplayer-Kampagne Squadron 42 tun.

Dieses Video wird von YouTube eingebettet. Es gelten die Datenschutzerklärungen von Google.

Crytek versuchte unter anderem mit einem Antrag auf totale Offenlegung CIG zur Herausgabe aller relevanten Entwicklungsdaten zu bewegen, darunter den Programmcode von Star Citizen. Die (aus unserer Sicht ziemlich lächerlich erscheinende) Begründung lautete damals, Crytek müsse Gelegenheit erhalten, den Code zu prüfen, um die Beweise für ihre Anschuldigungen zu finden. Nicht zuletzt deshalb vermuteten wir bereits, dass es dem in finanzieller Schieflage befindlichen Engine-Entwickler gar nicht in erster Linie um Geld ging, sondern um Einsicht in die Arbeit der ehemals bei Crytek und jetzt bei CIG angestellten Engine-Entwickler.

Rechtsstreit um Star Citizen: Klatsche für Crytek

Offenbar sind einige Teile der Klage in der Vorverhandlung nun (vorläufig) dem Richterhammer zum Opfer gefallen. Wir zitieren an dieser Stelle die offenbar sehr präzise Zusammenfassung der Entscheidung von reddit-Nutzer Bribase:

  • CIG hat sich nicht im Engine-Verkauf engagiert oder versucht, die StarEngine zu verkaufen. Crytek hat deshalb keinen Grund zur Annahme, dass CIG eine Konkurrenz-Engine designt, entwickelt oder bewirbt.
  • Der Lizenzvertrag (Game License Agreement; GLA) erlaubt es CIG ausdrücklich, die Engine an ihre Bedürfnisse anzupassen.
  • Der Lizenzvertrag verbietet es CIG, die Engine an Dritte zu lizenzieren, nicht aber eine Engine von Dritten zu lizenzieren.
  • CIG ist nicht verpflichtet, CryEngine zu bewerben. Eine Bewerbung der Lumberyard-Engine durch CIG konnte nicht ausreichend belegt werden.

Laut Richter ist die Verwendung der Lumberyard-Engine zur Entwicklung von Star Citizen zulässig. © Cloud Imperium Games

Crytek kann gegen diese Entscheidung bis zum 27. Dezember 2018 Beschwerde einlegen, um eventuell Fakten vorzulegen, die ihren Standpunkt untermauern. Da Crytek es aber offenbar bisher versäumt hat, Beweise zu bringen, ist es höchst unwahrscheinlich, dass eine Beschwerde Erfolg haben wird. Gleichwohl werden Cryteks Anwälte wahrscheinlich trotzdem Beschwerde einlegen und sei es nur, um die eigene Überzeugung von der Rechtmäßigkeit ihrer Klage zu demonstrieren.

Rechtsstreit zwischen Crytek und CIG nicht vom Tisch

Während die richterliche Entscheidung von Star Citizen-Fans bereits als Sieg auf ganzer Linie bejubelt wird, ist die Klage damit aber noch nicht endgültig vom Tisch. So ist es beispielsweise wahrscheinlich, dass der Streit über die Entwicklung zweier Spiele vor Gericht ausgetragen wird.

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Gleichwohl schwinden die Erfolgsaussichten für Crytek offensichtlich deutlich. Das überrascht nicht sonderlich, schließlich hatten schon in der Vergangenheit mehrere Rechtsanwälte die Sinnhaftigkeit und auch den Aufbau der Klage in Frage gestellt. Der Verdacht, dass Crytek eigentlich nur an den Programmcode von Star Citizen kommen wollte, stand spätestens seit der Entscheidung des Gerichts, die Strafzahlungen seitens CIG ausschloss, ganz oben auf unserer eigenen Liste der möglichen Beweggründe für die Klage.

210 Millionen Dollar: Die Erfolgsstory Star Citizen geht weiter

Völlig unbeeindruckt von Cryteks Bemühungen erwirtschaftet CIG weiter Millionen an privaten Fördergeldern. Die Grenze von 200 Millionen Dollar wurde vor Kurzem geknackt. Daran hat natürlich die Veröffentlichung des ersten Planeten im Universum, Hurston, einen maßgeblichen Anteil.

Der Planet Hurston mit der Landezone Loreville ist mit Update 3.3.5 ins Spiel gekommen. © Cloud Imperium Games

Die gewaltigen Ausmaße der Spielwelt bis jetzt sind das eine, viel wichtiger ist aber etwas anderes: Es wird immer deutlicher, wie sich die Puzzleteile des ambitionierten Projekts langsam aber sicher zum Bild eines vollwertigen Spiels zusammensetzen. Ein Blick in die Roadmap für Star Citizen bestätigt das. Die Kritiker, die immer bezweifelt haben, dass CIG die hochgesteckten Ziele erreichen könne, werden immer leiser – und die „Betrug“ schreienden Trolle nimmt mittlerweile niemand mehr ernst.

CIG hat mit der Veröffentlichung von Update 3.3.5 unter Beweis gestellt, dass sie vertrauenswürdig sind und hart daran arbeiten ihre Versprechungen einzulösen. Die Unterstützer belohnen das mit immer mehr Geld. Das ist für ein Crowdfundingprojekt dieser Größenordnung sogar noch wichtiger als die teilweise Klageabweisung im Rechtsstreit mit Crytek.

Eine Analyse von CIGs Finanzen findet ihr im verlinkten Artikel.

Über den Autor

Chefredakteur SPACE4GAMES. Hat die Baldur's Gate-Saga 7 Mal durchgespielt. Bekennender "Life is Strange"-Fanboy. Gelegentlich Youtube-Täter auf Game.Play.Me.

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